
Ein Praktikum in London klingt nach der perfekten Mischung aus internationaler Berufserfahrung, spannenden Projekten und After-Work-Pub-Besuchen. Doch wer zum ersten Mal in einem britischen Büro arbeitet, merkt schnell: Neben den offiziellen Unternehmensrichtlinien gibt es eine ganze Reihe ungeschriebener Regeln.
Gerade diese kleinen kulturellen Unterschiede entscheiden oft darüber, wie schnell du dich ins Team integrierst. Hier sind fünf typisch britische Büro-Regeln, die in keinem Praktikumsvertrag stehen – die du aber unbedingt kennen solltest.
1. „How are you?“ ist meistens keine Einladung für deine Lebensgeschichte
Dein erster Arbeitstag beginnt wahrscheinlich mit vielen Begrüßungen.
„Hi, how are you?“
Auch wenn die Frage wörtlich nach deinem Befinden klingt, handelt es sich in den meisten Fällen eher um eine höfliche Begrüßungsformel als um eine ernst gemeinte Nachfrage. Ein kurzes „Good, thanks. How are you?“ reicht völlig aus.
Wer stattdessen ausführlich von Jetlag, Wohnungssuche oder Heimweh erzählt, sorgt eher für überraschte Gesichter.
Merke: Small Talk gehört zum britischen Büroalltag – aber bitte kurz und freundlich.
2. Pünktlich bedeutet: lieber fünf Minuten zu früh
Während in manchen Ländern eine kleine Verspätung toleriert wird, gilt in vielen britischen Unternehmen Pünktlichkeit als Zeichen von Professionalität.
Das gilt besonders für:
- Meetings
- Kundentermine
- Team-Calls
- den ersten Arbeitstag
Plane deshalb genügend Zeit für die Londoner U-Bahn ein. Die Tube ist zwar schnell, aber Signalstörungen oder Verspätungen gehören zum Alltag.
3. Kritik wird oft sehr höflich formuliert
Britische Kolleginnen und Kollegen sind bekannt für ihre indirekte Kommunikation.
Wenn dein Supervisor sagt:
- „You might want to have another look at this.“
- „Perhaps we could improve this section.“
- „Interesting idea.“
Dann steckt dahinter häufig deutlich mehr als die Worte vermuten lassen.
Besonders deutsche Praktikantinnen und Praktikanten empfinden diese indirekte Art anfangs als ungewohnt. Tatsächlich wird Kritik häufig bewusst diplomatisch formuliert, um niemanden bloßzustellen.
Deshalb lohnt es sich, genau hinzuhören und Rückfragen zu stellen, wenn etwas unklar ist.
4. Die Teeküche ist wichtiger, als du denkst
Die Küche ist in vielen Londoner Büros der Ort für kurze Gespräche, lockeren Austausch und Networking.
Wenn jemand fragt:
„Fancy a tea?“
Dann geht es oft nicht nur um das Getränk, sondern auch um einen kurzen sozialen Moment.
Niemand erwartet, dass du ständig Tee trinkst. Aber gelegentlich mitzugehen oder selbst einmal anzubieten, Kaffee oder Tee mitzubringen, kommt meist gut an.
Und noch ein Klassiker:
Wer die letzte Milch verbraucht oder seinen Becher stehen lässt, macht sich selten beliebt.
5. Eigeninitiative ist willkommen – aber bitte nicht aufdringlich
Viele Praktikantinnen und Praktikanten glauben, sie müssten möglichst unauffällig bleiben.
In britischen Unternehmen wird dagegen häufig geschätzt, wenn du Interesse zeigst und Fragen stellst.
Das bedeutet allerdings nicht, ständig zu unterbrechen oder ungefragt alles besser wissen zu wollen.
Ein guter Mittelweg ist:
- aktiv zuhören,
- eigene Ideen höflich einbringen,
- nach zusätzlichen Aufgaben fragen, wenn deine To-do-Liste abgearbeitet ist.
So zeigst du Motivation, ohne aufdringlich zu wirken.
Fazit
Ein Praktikum in London bietet nicht nur fachliche Erfahrungen, sondern auch spannende Einblicke in die britische Arbeitskultur.
Viele der wichtigsten Regeln stehen in keinem Mitarbeiterhandbuch. Wer freundlich kommuniziert, pünktlich ist, die indirekte Art der Britinnen und Briten versteht und sich offen ins Team einbringt, wird sich meist schnell integrieren.
Gerade diese kleinen kulturellen Feinheiten machen dein Praktikum am Ende oft erfolgreicher als perfekte Englischkenntnisse.
Quellen
- GOV.UK – Student Guide: Preparing for Industry Placements: https://www.gov.uk/government/publications/student-guide-preparing-for-t-level-industry-placements/student-guide-preparing-for-industry-placements-web-accessible-version (GOV.UK)
- GOV.UK – Work Experience: Employer Guide: https://www.gov.uk/government/publications/work-experience-employer-guide/work-experience-employer-guide (GOV.UK)
- Foundation for International Education – Realities of Working in London: https://www.fie.org.uk/internships/london/internships/realities-of-working-in-london (FIE)
- Financial Times – A Guide to British Business Etiquette: https://www.ft.com/content/8ccf5518-1689-11ea-8d73-6303645ac406 (Financial Times)